„Die CSS Alabama auf der Weser?“ – Verflechtungen: Minden & der amerikanische Bürgerkrieg“

altIm „Civil war“ (1861-65) starben mehr Soldaten als in allen Kriegen zusammen, welche die USA bis heute geführt haben. Mit modernster Technologie geführt, erwies sich dieser Krieg in seiner Totalität und Grausamkeit als zukunftsweisend.
Ursache war der Widerstreit zweier Wirtschaftssysteme, Auslöser der Erhalt der Union. Die Sklavenfrage spielte zunächst eine untergeordnete Rolle und wurde später als Rechtfertigung angeführt.
In diesem Krieg kämpften 500.000 Deutsche. Allein auf Seiten der Union waren rd. 23% der Soldaten Deutsche, gut die Hälfte noch in Deutschland geboren. Zahlreiche Regimenter bestanden überwiegend aus deutschen Einwanderern. In New York dienten fast 36.000 Deutsche, davon rd. 13.000 in fast ausschließlich deutschen Regimentern.
Aus der Mindener Garnison kamen mehrere Führungsoffiziere der Unionsarmee wie Joseph Arnold Weydemeyer, später Oberst der Missouri Volunteer Artillery und Gründer eines linken Offizierszirkel in Minden, zu dem auch die späteren Unionsgeneräle und Obristen August Willich und Fritz Anneke gehörten.
altEinfacher Private war Johann Friedrich Wellmann (geb. 1836, Haldem/Minden). Er emigrierte 1859 in die USA um sich dem Militärdienst zu entziehen. Er ging jedoch zwei Jahre später freiwillig zur Unionsarmee. Seine Erlebnisse im Bürgerkrieg dokumentierte er in seinem Tagebuch. Johann Heinrich August Funk (geb. 03.01.1837, Minden), war im Bürgerkrieg Ambulance Corps man beim Medical Service.
Mindener, die auf Seiten der Konföderation kämpften waren Ludwig Sherfesee, Fahnenträger der Washington Artillery sowie der Offizier Ernst Kapp, der einen Revolver für die Südstaatenarmee entwickelte.
Ein weiterer Bezug zwischen Minden und dem amerikanischen Bürgerkrieg ist die Stadt Minden in Louisiana, die 1836/37 von einem Mindener gegründet wurde. Im Bürgerkrieg war Minden, LA ein Hauptcamp der Konföderierten (Camp Magruder). Im Osten der Stadt waren 15.000 Soldaten stationiert, dort lag auch das Nachschubdepot der Rebellenarmee.
Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des amerikanischen Bürgerkrieges waren für Norddeutschland katastrophal und sehr nachhaltig. Die Baumwollmanufakturen in Preußen, z.B. in Minden-Ravensberg und in Hannover waren von den Lieferungen der Südstaaten abhängig. Diese blieben jedoch, bedingt durch die Blockade der Häfen durch die Unionsflotte, aus. Die jahrelangen Produktionsausfälle führten zu sozialen Spannungen und Streiks, an deren Ende die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und Sozialdemokratie stand.
altAm Weserufer, zwischen Glacisbrücke und der Schiffsmühle sieht es aus wie in Harpers Ferry, einem der strategisch wichtigsten und heftig umkämpften Orte im Bürgerkrieg.
Hier können Sie das Lagerleben der „Blauen und Grauen“ erleben. Sie treffen auf Colonel Weydemeyer und den Soldaten Wellmann, der ihnen aus seinen Tagebuchaufzeichnungen vorliest. Im Lazarettzelt finden Sie den Ambulance Corps man Funk und erfahren, dass das US-Militärmedizin- und Ambulanzwesen „Made in Hannover“ ist und was es mit der „CSS Alabama“ auf der Weser auf sich hatte.

© Rainer Kasties M.A.

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