Die Reformation in Minden (1529-1535)

altBereits seit 1523 verbreitete sich im Mindener Bür-gertum die neue Lehre. Sie wurde ab 1529 offen gepredigt und fand vor allem beim gehobenen Bürgertum seine Anhänger.
Ende 1529 kam der Prediger Nikolaus Krage, ein fähiger Theologe, aber schwieriger und selbstgerechter Mensch nach Minden. Er begann am 27.12. an St. Martini seine Predigertätigkeit. Er predigte in Deutsch, polemisierte gegen katholischen Klerus und Lehre und traf damit das Empfinden der Menschen. Als Verfechter des neuen Glaubens hatte sich in dem Aufruhr Ende 1529 ein Ausschuss von 36 Männern gebildet, die am alten Rat vorbei agierten. Wie in vielen Städten hatte die „Reformation“ auch in Minden zum Teil verfassungspolitische Gründe.
Dieser Ausschuss war bei „Einführung der Reformation“ nicht zimperlich. Am 27.12. ließ er die Tore schließen und mit Bewaffneten besetzen. Ohne Absprache mit dem Rat wurden die Repräsentanten der alten Kirche ins Rathaus eingeladen und genötigt den neuen Glauben anzunehmen. Die Reformation in Minden begann und am 13.02.1530 wurde die von Krage verfasste neue Kirchenordnung verkündet.
Um den Widerstand gegen die Reformen – die auf religiösem Gebiet sicher nötig waren – zu unterbinden, griff der Sechsunddreißigerrat auch zu rechtlich bedenklichen Mitteln. Ein Mittel war, den katholischen Klerus wirtschaftlich massiv zu schädigen und ihn damit ins Exil zu treiben. 1530 begann die Einziehung von Kirchengut und auch die privaten Wohnhäuser der ehemaligen Kleriker gerieten ins Visier. Die teils drastischen Maßnahmen des Ausschusses führten 1534 zur Vorladung vor das Reichskammergericht, welches 1539 die Reichsacht über die Stadt verhängte. Minden trat daraufhin dem „Schmalkaldischen Bund“ bei und verstärkte seine Verteidigungsanlagen. Die Bronze für die Kanonen gewann man aus den konfiszierten Glocken der katholischen Kapellen. Nikolaus Krage bekam davon nichts mehr mit. Wohl von Missgunst getrieben, beschuldigte er den Führer des Sechsunddreißigerrates verschiedener, aber haltloser Verbrechen und wurde 1535 gewalt-sam aus der Stadt entfernt.
Die „Reformation“ – erst ab 1690 so genannt – war keine „Sozialrevolution“. Im Gegenteil: Die „Reformen“ ging in den Städten vor allem von der bürgerlichen Elite aus. Das einfache Volk und besonders die Armen wurden nach der Reformation noch stärker sozial kontrolliert und ausgegrenzt als vorher. Eine Folge war die starre und undurchlässige frühneuzeitliche Ständegesellschaft. Auch in Minden setze sich am Ende wieder die alte Sozialelite durch.

altKrieg im Namen des wahren Glaubens
Die „Reformation“ hatte für Deutschland fatale Fol-gen. Bis 1648 wurde viel mit Worten und zuneh-mend mit den Waffen argumentiert – Kaiser gegen Fürsten und Städte, Bauern gegen Grundherren und umgekehrt. Alle Glaubensparteien nahmen sich nichts an religiösen Eifer und Grausamkeit. Der gefragteste Job war der des Landsknechts.
„Landsknechte“ nannte man die von Ks. Maximilian I. (1487-93) aufgestellten dt. Infanteriesoldaten. Mit langen Spießen bewaffnet und in Regimentern zusammen gefasst unterstanden sie dem Befehl kaiserlicher Offiziere. Solange der Sold stimmte galten die Landsknechte als besonders treu und diszipliniert. Blieb dieser aus oder wurden sie entlassen, zogen sie marodierend durch das Land.

 © Rainer Kasties M.A.

responsiveMenu

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok