"Freiheitskriege" - Westfälische Landwehr nach der Befreiung Mindens 1813 (1814)

altDie Regierungszeit Napoleon Bonapartes war eine Zeit des Umbruchs. Die europäischen Monarchen versuchten die Ergebnisse der französischen Revolution rückgängig zu machen und führten seit 1792 Krieg gegen Frankreich. Was als erfolgreicher Ver-teidigungskrieg des französischen Volkes begann, entwickelte sich ab 1804 zu einer nicht endenden Folge von Eroberungskriegen.
Nach der Zerschlagung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ 1806 wurde die Staatenlandschaft Deutschlands von Napoleon neu geordnet. In den besetzen Gebieten wurden französische Vasallenstaaten gegründet – so wie das 1807 geschaffene Königreich Westphalen, welches der Kaiser seinem Bruder Jérôme unterstellte.
Anfangs sah das Volk in den eroberten Ländern Napoleon als Befreier. Die Leibeigenschaft wurde abgeschafft, Gewerbefreiheit, Gewaltenteilung, Gleichberechtigung und Verfassungen eingeführt. Die Belastungen durch fortwährenden Kriege, zunehmende Repressalien und Übergriffe führten aber dazu, dass sich bald Widerstand regte, der 1813 zu den sog. "Freiheitskriegen" führte.
Die preußische Armee war nach der Niederlage bei Jena/Auerstedt 1806 völlig zerschlagen. In den nicht besetzten Gebieten Preußens begann man aber noch im selben Jahr mit der Reorganisation und 1813 war die Neupreußische Armee einsatzbereit.
altNach der Niederlage Napoleons bei Leipzig am 16.-19.10.1813 und dem Abzug der Franzosen aus dem Königreich „Westphalen“ wurde Minden Teil des provisorischen preußischen „Generalgouverne-ment zwischen Rhein und Weser“. Nun konnte man auch in der preußischen Provinz Westfalen mit der Reorganisation des Heeres beginnen.
Typisch für das neupreußische Heer war das Nebeneinander von Linientruppen und Landwehr. Die preußische Landwehr wurde am 17. März 1813 nach dem Entwurf von Scharnhorst eingeführt. Dessen Grundidee war, dass „jeder Bewohner eines Landes auch der natürliche Verteidiger desselben sei“. Alle wehrpflichtigen, aber noch nicht eingezogenen Männer zwischen 17 und 40 mussten „freiwillig“ in die Landwehr eintreten. Bei den westfälischen Untertanen Preußens stieß das auf wenig Begeisterung. Auch die Ausrüstung und Bewaffnung war in den Jahren 1813-15 noch mangel-haft. Aus Minden rekrutierte sich das 2. Landwehrregiment.
Die Uniformen der Landwehrbataillone bestanden einheitlich aus den einreihigen dunkelblauen Rock (Litewka). Die Farbe der Kopfbedeckung und der Abzeichen an Kragen und Ärmeln richteten sich aber nach der Provinz. Die Männer der Landwehr Westfalens trugen die Farbe Grün.
Mitte 1814 war Napoleon geschlagen und abgesetzt, der Krieg schien zu Ende zu sein und die Freiwilligen der Freiheitskriege wurden entlassen.
altAm Weserufer, an der Mindener Schiffmühle, biwakiert ein Trupp der westfälischen Landwehr. Diese sind gerade vom Heimaturlaub zurückgekehrt und ihr Unteroffizier versucht die Landwehrmänner vor der Rückkehr zum Bataillon in Wesel wieder „in Form“ zu bringen.

© Rainer Kasties M.A.

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