Schlachtfeldarchäologie

Schlachtfeld der Schlacht bei Minden von 1759:

 

Die Schlacht bei Minden am 1. August 1759 gehört zu den bedeutenden kriegerischen Auseinandersetzungen europäischer Geschichte. Sie war entscheidend für den Ausgang des 7-jährigen Krieges (1756 – 1763), der von den alliierten Mächten Großbritannien, Hannover, Braunschweig-Wolfenbüttel, Hessen-Kassel, Preußen und Schaumburg-Lippe gegen Frankreich und Sachsen geführt wurde. Die zeitgenössischen Berichte und zahlreich erschienene Sekundärliteratur zeichnen zwar ein eindrückliches Bild des Schlachtgeschehens lassen aber viele Fragen zu Details offen. Deshalb erscheint eine interdisziplinäre Neubewertung der Ereignisse vor allem und gerade nach dem 250. Jahrestag der Schlacht, der in Minden mit großem Aufwand ausgerichtet wurde, als sinnvoll und notwendig. In dem Projekt sollen bisher bekannte militärhistorische Überlegungen und Überlieferungen systematisch erfasst und analysiert werden. Darüber hinaus sollen neue archivalische, geografische, archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen dazu beitragen, den Ablauf der Schlacht und ihre Folgen schärfer beschreiben zu können.

Aus der Sicht der Bodendenkmalpflege ist das Schlachtfeld von Minden, in dem noch zahlreiche Spuren der Kämpfe verborgen sind, ein bedeutendes Denkmal menschlicher Kulturgeschichte. Bedauerlicher Weise ist es in der Vergangenheit Ziel illegaler Plünderungen, unsystematischer Bergungen oder allenfalls kleinräumiger Einzeluntersuchungen gewesen. Eine Zusammenführung aller bisher erzielten Ergebnisse und sonstigen Kenntnisse soll die Grundlage für gezielte archäologische Prospektionen werden.


Methodische Herangehensweise

Trotz zeitgenössischer Berichte über den Verlauf der Schlacht und zahlreich erschienener Sekundärliteratur sind die einzelnen Vorgänge der Schlacht im heutigen Gelände nur ungefähr lokalisiert worden. Um eine genaue Lokalisierung vornehmen zu können, sind archäologische Prospektionen und Sondierungen unerlässlich. Bei der Größe des Schlachtfeldes von Minden Todtenhausen im Norden bis Minden-Hahlen im Süden muss vorab ein belastbarer Abgleich von zeitgenössischen Karten mit preußischen Karten des 19. Jahrhunderts und modernen Karten erfolgen. Daraus kann im besten Falle eine Eingrenzung von Geländeteilen resultieren, die dann mit archäologischen Prospektionsmethoden erkundet werden können. Ein Anfang könnte mit den verfüllten Gräben südlich von Todtenhausen gemacht werden, wo das Korps Wangenheim Artillerie in Erdschanzen in Stellung gebracht hatte

Für die Lokalisierung dieser Schanzen, die obertägig nicht mehr sichtbar sind, aber von denen die verfüllten Gräben im Boden noch erhalten sein müssen, kann die geophysikalische Methode der Geomagnetik angewendet werden. Im Falle der Identifizierung von Gräben im Gelände kann zur Überprüfung der Ergebnisse eine archäologische Grabung erfolgen, die zumindest die Form der Gräben und ggf. Einbauten in diesen nachweisen kann.

Die Schlacht nahm mit dem französischen Angriff auf diese Stellungen ihren Ausgang. Insofern muss das Gelände zwischen der Schanze und den vermuteten französischen Stellungen sorgfältig mit Metallsonden prospektiert werden. Die auftretenden Funde, vor allem die verschossene Munition kann einen Nachweis über den Verlauf der Kämpfe liefern. Handelte es sich ausschließlich um ein Artillerieduell oder gab es darüber hinaus Auseinandersetzungen zwischen Infanterietruppen mit zusätzlichem Eingreifen von Kavallerie? Die sondierten Fundstücke sind für eine Rekonstruktion des Kampfgeschehens punktgenau einzumessen und sorgfältig zu analysieren, zu bestimmen und zu datieren.

Nur die Zusammenarbeit von Militärhistorikern, Archäologen, Geophysikern, Geografen und Naturwissenschaftlern wird erst die Möglichkeit eröffnen, neue Erkenntnisse zum Verlauf der Schlacht bei Minden gewinnen zu können. (Text: Werner Best)


"Schlachtfeld und Massengrab" - Eine Einführung


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