Mindener Zeitinseln

Wichgrafen & Bürgerfreiheit – mittelalterliches Alltagsleben in Minden (13.-15. Jh.)

bild dominnenhofDas 12. und 13. Jahrhundert waren die Blütezeit des Adels. Dessen Abstieg seit dem 13. Jh. ging einher mit dem Aufstieg der Städte. Mit einem selbstbewussten und wirtschaftlich erstarkten Bürgertum wurde die moderne, städtische Gesellschaft geboren, in der durch das Bestreben nach politischer Unabhängigkeit die Stadtherren und der Adel zunehmend verdrängt wurden. Dieser Prozess, der in allen deutschen Städten stattfand, stellte sich in der Bischofsstadt Minden als Musterbeispiel dar. Im Dominnenhof zeigen die Gruppen Furor Normannicus, Hortus Lupi und die Vruntlike tohopesate, wie der bischöfliche Hofadel – die Wichgrafen – die Bürger und Städter im 13., 14. und 15. Jh. lebten und arbeiteten.

Frömmigkeit und christliches Ritterideal
Beginnend mit den Kreuzzügen Ende des 11. Jh. entwickelte die Kirche das neue Konzept des „christlichen Ritters“. Die höchsten Tugenden dieses Ideals waren Armut, Keuschheit und Gehorsam, die wichtigsten Aufgaben der „miles christi“  sollten Schutz der „Wehrlosen“ und Armen, der Frauen und der Kirche sein…

Der Mindener Wichgraf
Aus dem Kriegeradel des frühen und hohen Mittelalters entwickelte sich seit 1200 der „Hofadel“. Edelherren traten in die Dienste der Landesherren und übernahmen dort Verwaltungsämter. Der Mindener Wichgraf war ein solcher „Ministerialer“, ein Dienstmann. Von seinem bischöflichen Dienstherrn mit umfangreichen Kompetenzen und von Geburt an mit adligem Selbstbewusstsein ausgestattet, residierte er im Wichgrafenhof. Dort nahm er als Stellvertreter des Stadtherrn dessen Rechte gegenüber den Stadtbewohnern wahr…

Kaufleute als Elite
Treibende politische und soziale Kraft in den Städten waren die Kaufleute und Fernhändler, meist im Tuchhandel tätig. Mindens wirtschaftlicher Schwerpunkt hingegen lag im Spätmittelalter hauptsächlich im Brauereigewerbe und dem Bierexport sowie dem Getreide- und Holzhandel über die Weser…

Hantwerck unde ammechten
Im Frühmittelalter noch gering geachtet, vollzog sich im 11. und 12. Jh. ein Wertewandel zugunsten des Handwerks. Die großen Ämter Mindens hatten bereits die Möglichkeit auf politische Teilhabe. 1405-10 setzte sich, durch einen Aufstand der kleinen Ämter, auch deren Mitsprache am Stadtregiment durch…

© Rainer Kasties M.A.

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