Mindener Zeitinseln

Die Römer bei Minden (1. Jh. n. Chr.)

bild roemerDie topographische und verkehrsgünstige Lage Mindens – im Kreuzungspunkt mehrerer, seit der Bronzezeit bestehender alter Handelsstraßen (Westfälischer Hellweg, Hellweg unter dem Berg, Hellweg vor dem Santford) und am Durchbruch der Weser in die Norddeutsche Tiefebene (Westfälische Pforte) - war entscheidend für die spätere Bedeutung Mindens.
Die erste Ansiedlung erfolgte an einer Furt, welche die einzige Möglichkeit zur Überquerung der Weser bis Bremen bot. Der Durchgang zu Lande durch die Weserscharte verlief über einen Moorpass, der es ermöglichte, jeglichen Verkehr zu kontrollieren. Wohl deshalb entstanden schon in germanischer Zeit in unmittelbarer Nähe zwei Burgen – die Dehmerburg und die Wittekindsburg.
Um die Zeitenwende herum begann Rom damit, auch in den Nordwesten Germaniens vorzudringen. Dabei spielte der Weserübergang bei Minden eine bedeutende Rolle. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Römer bei ihrem Vormarsch an diesem verkehrstopografisch bedeutenden Punkt eine größere Siedlung vorfanden.

Zu dieser Zeit war der Raum um Minden von den Cheruskern besiedelt. Deren Sieg über den römischen Statthalter Varus im Jahre 9. n. Chr. beendeten zwar die römischen Eroberungs- und Kolonisierungsversuche, nicht aber die Kontakte und den Handel zwischen dem römischen Reich und Niedergermanien. Der nördlich der Cherusker siedelnde Stamm der Angrivarier wurde im Zuge der Vergeltungsfeldzüge des Germanicus befriedet und blieb fortan den Römern treu ergeben. Später vergrößerten sie ihr Siedlungsgebiet nach Süden und Westen auch in den Mindener Raum. Von ihrem Stammesnamen leitet sich die Bezeichnung der mittelalterlichen Provinz Engern (Angaria) ab.
Am Ufer des Flusses, den schon die Römer vor 2000 Jahren überquerten, geben ihnen in diesem Jahr zahlreiche Darsteller und Gruppen einen Einblick in Alltagsleben und Handwerk, Ernährung und L-bensmittelzubereitung der Germanen des 1.-3. Jh.s unserer Zeitrechnung. Bauernkrieger vom Stamm der Brukterer – Nachbarn der bei Minden lebenden Cherusker – vermitteln ihnen einen Eindruck von der germanischen Bewaffnung und Kampfweise.

Römer auf dem Durchmarsch
Als um die Zeitenwende die Römer nach Nordgermanien vordrangen, spielte die günstige Lage Mindens am Durchbruch der Weser in die Norddeutsche Tiefebene und die dortige Furt eine bedeutende Rolle. Jüngst wurde im Kreis Minden bei Barkhausen ein Lager der Römer entdeckt und ausgegraben. 23 römische Feldbacköfen, zahlreiche römischen Mün-zen und militärische Ausrüstungsgegenstände belegen, dass es sich um ein mehrfach genutztes Marschlager aus der Zeit des römischen Vorstoßes nach Niedergermanien handelt.
Marschlager waren ein wichtiger Bestandteil des römischen Militärwesens. In erster Linie als kurzfristige Stützpunkte oder als Ausgangslager für Operationen eingerichtet, dienten sie im Rahmen der Romanisierungspolitik auch dem kulturellen und wirtschaftlichen Austausch mit den ansässigen Völkern in den eroberten Gebieten. Im dicht bewaldeten und schwer zugänglichen Niedergermanien operierten die römischen Truppen von Sommerlagern aus, von wo aus sie immer weiter vordrangen und in den eroberten Gebieten die römische Herrschaft und Kontrolle ausbauten und festigten.
Da die Lager tief im „Feindesland“ lagen, waren sie nur im Sommer besetzt. Vor dem Winter zogen sich die Legionen in Etappen über Marsch- in die Winterlager zurück, die an der Grenze am Rhein im gesicherten Territorium lagen. Dabei handelte es sich um große, gut befestigte Anlagen oder auch Städte wie Xanten und Köln.
Xanten war wahrscheinlich Winterlager und Ziel des Statthalters für Niedergermanien, Publius Quintilius Varus. Aufgrund der Datierung in die Jahre 11-16 n. Chr. steht das Lager bei Minden in Zusammenhang mit dem Rückmarsch der Legionen des Varus in die Winterquartiere und ihrem Untergang im Jahre 9 n. Chr. am Wiehengebirge.
Wie lebten römische Legionäre in den Lagern in Niedergermanien? Wie sie ausgerüstet waren, ausgebildet wurden und viele weitere interessante Informationen und Details aus der Zeit, als die Römer nach Norddeutschland kamen, zeigt das Team Zeitreise.

© Rainer Kasties M.A.

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