Mindener Zeitinseln

Die Welt wird größer - das historische Japan zu Gast in Minden (16. Jh.)

bild takedaNatürlich waren im 16. Jh. keine Japaner in Minden. Japan war den Europäer seit den Berichten Marco Polos im 13. Jh. über das Zipango (Goldland) genannte Land östlich Chinas bekannt. Schon Columbus war von der Idee besessen Japan zu erreichen. Aber im Gegensatz zu China hatten die europäischen Händler noch kein großes Interesse an dem kleinen Inselreich.
Als die Europäer 1543 in feste Beziehungen zu Japan traten, fand man eine sehr fremde Kultur vor. Das Land unterschied sich in seiner Gesellschaft, den Gebräuchen und der Geschichte völlig von allem, was man bislang kannte. Doch es gibt eindeutige Parallelen zum Deutschland der frühen Neuzeit.

Territorialisierung & Einigungskriege    
Wie Deutschland wurde auch Japan im späten 15. und frühen 16. Jh. von Territorialisierungsbestrebungen der Landesfürsten und den damit einhergehenden militärischen Konflikten erschüttert. In diese Zeit fällt der erste Kontakt zwischen Japan und Europa.
In Deutschland gelang es den Landesherren, die mittelalterliche Zerrissenheit ihrer Territorien zu überwinden und große Territorialstaaten mit Zentralverwaltungen zu schaffen. Auch in Japan setzten sich am Ende der „Zeit der streitenden Reiche“ (1477-1573) wenige starke Fürsten (Daimyō) durch, die große Fürstentümer errichteten, Wirt-schaft und Verwaltung reformierten und den Handel ausbauten.
Im 16. Jh. rebellierten in Deutschland wie in Japan diese mächtigen Landesherren erfolgreich gegen die althergebrachten Ansprüche eines schwachen Kaisertums. Im Zuge der Reformationskriege setzten sich die protestantischen Fürsten gegen den fernen Kaiser durch und etablierten starke, politisch autonome Territorialstaaten. In Japan gelang es den stärksten Fürsten in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s den mächtigsten Mann im Reich, den „Shogun“ zu entmachten. Sie beschränkten „Tennō“, den Kaiser, auf eine rein repräsentative und religiöse Rolle.
Großen Einfluss auf die japanischen Einigungskriege hatten zum einen die europäische Waffentechnik und zum anderen das Christentum. Es wurde zu dieser Zeit in Japan nicht nur geduldet sondern gefördert und spielte eine wichtige politische und gesellschaftliche Rolle. Für die kriegführenden Daimyō waren die Missionare und die ihnen folgenden Fernhändler so wichtig, dass sich viele taufen ließen.
Dem Klan der Takeda - Herren der Provinz Kai - gelang es um 1520 nach jahrzehntelangen Fehden die Provinz unter seine Kontrolle zu bekommen. Klanoberhaupt Takeda Nobutora war einer der ersten, Daimyō genannten Landesherren. 1541 wurde er von seinem Sohn Shingen (1521-1573) vertrieben. Diesem gelang es den Einflussbereich der Takeda erheblich auszuweiten. Shingen spielte in den entscheidenden Kämpfen um die alleinige Herrschaft in Ja-pan in der zweiten Hälfte des 16. Jh. eine bedeutende Rolle.
Ziel der Samuraigruppe TAKEDA ist es, die Zeit des Fürsten Takeda Shingen möglichst realistisch und authentisch darzustellen und Einblicke in das zivile Alltagsleben des Adels dieser Epoche zu gewähren.

© Rainer Kasties M.A.

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