Erstmals in Minden geben Zeitinseln verschiedener Epochen spannende Einblicke in die Vergangenheit. Die Einweihung des legendären Preußenzugs zur Kaiserzeit, mittelalterliches Alltagsleben vor dem 1200-jährigen Mindener Dom, eine Lazarettkirche zur Zeit der Schlacht bei Minden, historische Impressionen aus Japan, Maskerade und Theater mit der spanischen Darstellergruppe „La Tal“ sind nur einige Höhepunkte, bei denen man Geschichte in Minden neu erleben kann.
(Samstags und sonntags 11-17 Uhr)
Hier die Zeitinseln der historischen Reise durch die Mindener Geschichte
Zeitinsel 1. Jh.: Legionärsleben & „Fronttheater“ bei Minden
Als um die Zeitenwende die Römer nach Nordgermanien vordrangen, spielte die günstige Lage Mindens am Durchbruch der Weser in die Norddeutsche Tiefebene und die dortige Furt eine bedeutende Rolle. Dies war auch der Grund, weshalb römische Truppen in der Nähe von Minden ein Marschlager errichteten, welches über einen Zeitraum von gut 5 Jahren regelmäßig belegt war.
Zeitinsel 1.-3. Jh.: Eine Siedlung im Schnittpunkt zweier Welten
Die verkehrsgünstige Lage der späteren Stadt Minden – im Kreuzungspunkt mehrerer alter Handelsstraßen und am Durchbruch der Weser in die Norddeutsche Tiefebene war entscheidend für die Entstehung und spätere Bedeutung Mindens. Die erste Ansiedlung erfolgte an einer Furt, welche die einzige Möglichkeit zur Überquerung der Weser bis Bremen bot. Der Durchgang zu Lande durch die Weserscharte verlief über einen Moorpass, der es ermöglichte, jeglichen Verkehr zu kontrollieren. Wohl deshalb entstanden schon in germanischer Zeit in unmittelbarer Nähe zwei Burgen - die Dehmerburg und die Wittekindsburg.
Zeitinsel 12.-13. Jh.: Wichgrafen und Bürgerfreiheit - Mittelalterliches Alltagsleben in Minden
Das 12. und 13. Jh. ist die Blütezeit des Adels – aber auch die Zeit, in der Städte wie Minden ihre Selbständigkeit erwarben. Mindens Stadtherr, der Bischof, setzte als Stellvertreter den Wichgrafen ein, der als oberster Verwaltungs- und Gerichtsherr die Rechte des Bischofs gegenüber den Städtern vertrat. Der Wichgraf war ein Ministerialer - ein Dienstmann - aus der Schicht des Landadels. Von Geburt mit adligem Selbstbewusstsein und seinem bischöflichen Dienstherrn mit umfangreichen Kompetenzen ausgestattet, residierte er im Wichgrafenhof. Wie das Leben der Edelherren um 1200 aussah und es am Wichgrafenhof zugegangen sein könnte zeigt im Domhof die Gruppe Hortus Lupi.
Zeitinsel 14.-15. Jh.: De stad to Mynden, zo de in der hensse wesen wilt
Das 14. und 15. Jh. war die Zeit der größten städtischen Unabhängigkeit. Die Kommunen wuchsen zu finanzkräftigen Handels- und Handwerkszentren, verfügten über weitreichende Autonomie von ihren Stadt- und Landesherren und waren in großen Städtebünden wie der Hanse organisiert. Um 1180 war der Stadtwerdungsprozess Mindens abgeschlossen, zwischen 1185 und 1206 werden erstmals Mindener Bürgern erwähnt, 1230 erhielt die Stadt volles Stadtrecht und spätestens ab 1244 wurden die Interessen der Bürger von einem Stadtrat vertreten. Ebenfalls im Domhof visualisiert das Netzwerk der „Vruntliken tohopesate“, wie Alltagsleben, Handel, Handwerk, städtische Selbstverwaltung und Stadtverteidigung in Minden ausgesehen haben könnte.
Zeitinsel 15. Jh.: Rüstung, Waffen und Kampftechniken der Dienstmannen am Wichgrafenhof
Seit 1300 war in Minden das Bürgertum bestimmend, der Wichgraf und sein Gefolge auf die wenigen Aufgaben beschränkt, die ihm noch verblieben waren. Trotzdem ging das Leben am Wichgrafenhof auch im 14. und 15. Jh. weiter. Zwar wurden in Minden nun keine ritterlichen Turniere mehr abgehalten, die Edelherren im Gefolge des Wichgrafen mussten sich als Dienstmannen des Bischofs aber trotzdem „fit“ halten und stets kampfbereit sein.
Zeitinsel 16. Jh.: Die Welt wird größer - Japan zu Gast in Minden
Was hat ein japanisches Feldlager mit Minden zu tun? Natürlich waren im 16. Jh. keine Japaner in Minden und Mindens Handelskontakte reichten damals, im Gegensatz zu heute, noch nicht bis Japan. Japan war den Europäer seit den Berichten Marco Polos im 13. Jh. über das Zipango (Goldland) genannte Land östlich Chinas bekannt und schon Columbus war von der Idee besessen, Japan zu erreichen. Aber im Gegensatz zu China hatten die europäischen Händler noch kein sonderlich großes Interesse an dem kleinen Inselreich. Als die Europäer 1543 in feste Beziehungen zu Japan traten, fand man eine sehr fremde Kultur vor, welches sich in seiner Gesellschaft, Gebräuchen und Geschichte völlig von allem unterschied, was man bislang kannte. Doch es gab auch eindeutige Parallelen zum Deutschland der frühen Neuzeit. Die Gruppe Takeda empfindet die japanische Kultur und Geschichte nach und entführt die Besucher in das Japan des 16. Jh.s.
Zeitinsel 18. Jh.: Siebenjähriger Krieg und die Lazarettkirche St. Simeonis
Auch im 18. Jahrhundert gab es zahlreichen Kriege. Mit Ausbruch des weltumfassenden Siebenjährigen Krieges (1756-1763) wurde die preußische Garnisonsstadt und Festung Minden zum wichtigen und kriegsentscheidenden Schauplatz. Wohin aber nach einer Schlacht mit den zahlreichen Verwundeten? Zur Zeit des siebenjährigen Krieges gab es noch nicht sehr viele Militärlazarette in Deutschland und schon gar nicht in Minden. Also tat man das, was man immer tat; man richtete Behelfslazarette ein und quartierte die Verwundeten in Bürgerhäuser oder – wie schon seit Jahrhunderten üblich – in kirchlichen Einrichtungen ein.
Zeitinsel um 1900: Preußenzug zur Kaiserzeit
1871 bis 1918 – Gründerzeit und die Zeit des ersten Deutschen Kaiserreiches. Und auch die Zeit des endgültigen Aufbruchs Deutschlands in die Moderne. Rasanter Aufschwung, Industrialisierung, die Städte wachsen – mit umwälzenden, auch vielfach negativen Folgen. Doch als man 1912 die neue, für die Mindener Kreisbahnen angeschaffte Lok erwartet, ist der Bahnhof festlich geschmückt und zahlreiche Festgäste freuen sich auf einen Sonntagsausflug mit der Dampflok „Stettin“.
Schiffmühle Minden
Die Falknerei im 18. Jh.
Der historischen Schiffmühle wird im Rahmen der Zeitinseln wieder Leben eingehaucht. Eine Falknerei aus dem 18. Jh. wird hier ihr Lager aufschlagen. Die fürstliche Hofreitschule Bückeburg veranschaulicht hier die hohe Kunst der Falknerei.
Erfahren Sie wie Falkner im 18. Jh. gearbeitet haben und bewundern Sie Flugvorführungen für große und kleine Vogelliebhaber.
La Tal: "Il Carillo"
Im Rahmen der Zeitinseln spielt die Theatergruppe La Tal am 23./24.06.2012 auf dem Mindener Marktplatz ihr berühmtes Stück "Il Carillo". Erleben Sie eine sinnliche Hommage an das Thema Zeit auf dem Mindener Marktplatz. Ein Sinnbild für Vergänglichkeit und eine Allegorie des Mottos der Zeitinseln: "Geschichte neu erleben".







