Kaiser Karl und die Unterhaltung

Manchmal sind wir sogar selbst nach zwölf Jahrhunderten Erfahrung, die wir gesammelt haben, verwundert. So vor wenigen Tagen als wir durch unser Minden bummelten und ein paar Sonnenstrahlen zwischen Dom und Rathaus genießen wollten.

Wir bewunderten gerade vom Großen Domhof aus das in der Morgensonne gold glänzende Kreuz auf dem Vierungsturm des Domes als wir das Gespräch einer Gruppe von Untertanen verfolgten, die mittleren Alters waren und durch die Bank einen wohl genährten und – wie man heute wohl so sagt – gut situierten Eindruck machten. Sie schienen sich darüber zu unterhalten, was sie in den Abendstunden in unserer Stadt so unternehmen könnten.
Wir trauten unseren Ohren kaum, was wir dort zu hören bekamen. In den niedersächsischen Nachbarstädten, dort herrsche das Leben, vernahmen wir. Dort gäbe es Konzerte, Theater und die Innenstädte seien belebt. Eine Untertanin echauffierte sich gar, wenn in unserem Minden etwas stattfinde, dann sei das nur für junge Leute, wie Stadtfest, Hafenfest und andere Veranstaltungen zeigten. Und auch sonst könne man nirgendwo groß hingehen.
Wir wollten uns gerade räuspern und an die Untertanen herantreten, um uns in das Gespräch einzumischen, als einer der Männer sagte, man wolle bei dem schönen Wetter doch lieber in einem der schönen Bistros gleich um die Ecke bei einem guten Gläschen Wein weiterreden.

In dem Moment waren wir ein wenig ratlos. Gerade noch regten sich die Frauen und Männer darüber auf, dass bei uns nichts los sei, dann aber gingen sie in eines der einladenden Bistros. Wir schlenderten ein paar Meter weiter und blieben vor einer Säule stehen, auf der wir viele Aushänge betrachteten. Glücklicherweise kam unser Reisetagbuchschreiber Jean Jacques gerade vorbei, der gefrorene Milchprodukte in der Hand hielt und sagte: „Einfach nur lecker, was es hier in unserem Minden gibt.“

Wir baten ihn, uns beim Lesen der Aushänge zu helfen. Und Jean Jacques berichtet von Konzerten aller Art, die in nächster Zeit in Minden teilweise sogar unter freiem Himmel stattfinden. Er berichtete von Lesungen, von Theateraufführungen und vielem mehr.

Da seien wir ja die ganze nächste Zeit gut beschäftigt, resümierte er, wenn wir das alles wahrnehmen wollten, lachte und zog, die gefrorene Milch leckend, fröhlich davon. Wir jedoch blickten noch einmal auf die Aushänge an der Säule, gingen Gedanken versunken in Richtung unserer Herberge und trafen noch einmal auf die kleine Gruppe Untertanen, deren Gespräch wir verfolgt hatten. Die hatten inzwischen ihren Wein auf dem sonnenbeschienenen Tisch stehen, an dem sie saßen und weiter darüber lamentierten, dass in unserem Minden so gar nichts Interessantes zu finden sei.

Unterzeichnet
Carolus Magnus – Karl der Große

responsiveMenu