Kaiser Karl und das Kulinarische


Ach, was sind wir aufgeregt. Also, mit wir meinen wir uns. Also, nicht uns, sondern uns. Wie sollen wir Ihnen das nur erklären?

Wir, das sind wir, Karl der Große – und uns natürlich auch. Aber uns ist eben auch wir und zum Beispiel unserer Schreiber Jean Jacques. Und wir sind aufgeregt.

Seit Tagen streicht unser Schreiber um einen Exerzierplatz herum, den unser Volk wohl Simeonsplatz nennt. Am Dienstagmorgen hatte Jean Jacques schon vor unserem Wachwerden veranlasst, dass unser Schlachtross, also, unser Pferd und nicht das von uns und von unserem Reisetagebuchschreiber, gesattelt vor unserer Herberge stand. „JJ“ zerrte uns auf den Sattel, sprach von einem Lager voller weißer Zelte, das nur wenige Steinwürfe von unserem Schlafplatz aufgeschlagen worden sei.

Zunächst hatte er vermutet, dass die Sachsen uns mal wieder belagern wollten. Aber Sachsenherzog Widukind hatte uns ja in die Hand versprochen, dass er Frieden wahren wolle und sein Zuhause nun myn und dyn sei. Also unsers und seins.

Nachdem wir unseren Beobachter los geschickt hatten, zu erkunden, wer dort auf dem Simeonsplatz lagerte, erfuhren wir, das großartige Köche sich dort versammeln wollten, um ab heute das Volk mit den Köstlichkeiten unseres Reiches zu verwöhnen. Die kulinarische Versammlung werde Gourmetmeile genannt, berichtete Jean Jacques – und wischte sich die Spucke von seinem Mund, die ihm im selben wohl schon allein bei dem Gedanken an wunderbare Gerichte zusammengelaufen war.

Unser Schreiber sprach von Filets von Schweinen, von Hummern, von einem Fisch namens Lachs, von feinen Hühnern, von Käse, von Kartoffeln, also jenen Erdäpfeln, die mein Freund Friedrich der Große uns bei einer kurzen Begegnung an unserem 1010. Geburtstag geschenkt hatte, was ja auch schon wieder fast 260 Jahre her ist.

Vor allem aber schwärmte Jean Jacques von dem Gesöff, das in Strömen fließen würde. Bier und Wein, das müsse sein, rief er fröhlich aus.

Und wir müssen gestehen, er hat uns mit seinen Schilderungen angesteckt. So läuft uns, also „JJ“ und uns, nun schon seit heute Morgen, als die Sonne ein wenig durch den noch bedeckten Himmel lugte, die Spucke im Munde zusammen.

Da fällt uns ein, dass wir erfahren haben, es gäbe auch Sex on the beach bei dieser kulinarischen Meile. Da wir noch nie während unseres langen Lebens davon gehört haben, fragten wir unseren Alleswisser Jean Jacques, der seit kurzer Zeit von unserem Gefolge Wikipedia gerufen wird, ob wir denn an diesem Wochenende auch ein wenig Sex on the beach genießen würden. „JJ“ wurde nur rot und antwortete: Nein!

Unterzeichnet in Minda
Carolus Magnus – Karl der Große

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