Kaiser Karl und die Werbung

KW12karl und die werbungWas ist denn da los? Mitten auf dem Weg, den man heute wohl Bürgersteig nennt, steht ein Mann und schimpft: „Hier sieht man ja den Wald vor lauter Werbung nicht!“

Verdutzt sehen wir den wohl gekleideten Untertan an und fragen ihn, warum er denn so wütend sei. Mit hoch rotem Kopf dreht er sich zu uns um und sagt: „Schauen Sie sich das doch mal an. Dieser ganze Werbekram verschandelt doch das Stadtbild.“

Verlegen drehen wir uns zu unserem Schreiber Jean Jacques um, winken ihn zu uns heran und fragen ihn, was denn wohl Werbung und Werbekram sei. Er klärt uns genauestens darüber auf, dass man mit Werbung auf etwas aufmerksam macht, damit unsere Untertanen zum Beispiel zu einem großen Fest gehen, für das geworben wird. Oder aber damit sie etwas Bestimmtes kaufen.

Seit wann es denn so etwas gibt, wollten wir noch von Jean Jacques wissen. Er fragt, ob wir uns noch an Gutenberg erinnern. Sehr gut sogar, antworten wir. Der Gutenberg hatte den Buchdruck perfektioniert und damit etwas möglich gemacht, was zu meiner Regentschaftszeit noch nicht möglich. Wissen weiträumig unter das Volk zu bringen mit Schriften aller Art.

Dabei hat mir damals vor gut 1200 Jahren die Bildung doch sehr am Herzen gelegen. Aber alles musste mühsam mit der Hand geschrieben und kopiert werden. Wie sollte man da Wissen in großem Maße zu den Untertanen bringen. Erst der Johannes Gutenberg hatte es etwa 600 Jahre später möglich gemacht.

Aber, was sollte nun an der Verbreitung von Druckschriften, die man jetzt wohl auch als Werbung bezeichnet, schlecht sein?

Mit einem eindeutigen Fingerzeig machte uns der wütende Bürger auf die farbigen Druckschriften mitten auf der Straße aufmerksam. Dicht an dicht waren sie dort auf Holzträgern angeheftet. Und tatsächlich, man sah die schönen blühenden Blumen zwischen den Holzaufstellern vor lauter Werbung kaum noch.

Als wir uns von unserem Untertan verabschiedet hatten, wieder im Sattel saßen und auf unserem alten Schlachtross weiter durch die Stadt ritten, mussten wir feststellen, dass es fast überall gleich aussah. Überall wuchs Werbung aus dem Grün. An der ein oder anderen Druckschrift blieben wir stehen und ließen uns von unserem Schreiber die Worte vorlesen, die auf der Werbung standen. Denn leider waren wir immer noch nicht des Lesens wirklich mächtig. Da müssen wir unbedingt noch dran arbeiten.

Jean Jacques erklärte uns, dass es um Musikveranstaltungen, Märkte und andere Dinge gehe, die dort angepriesen würden. Und er gab zu bedenken, dass hier in unserem Minden und um unsere Stadt herum viel los sei, was die Menschen sicherlich begeistern würde.

Wieder einmal machte uns ein Ritt durch die Stadt nachdenklich. Auf der einen Seite war es richtig, was unser Schreiber anmerkte. Es wird viel für die Bürgerinnen und Bürger geboten. Auf der anderen Seite fragten wir uns aber, ob es nicht andere Möglichkeiten gäbe, um auf die Veranstaltungen aufmerksam zu machen, damit nicht wieder ein Untertan schimpfen muss, man würde die Schönheit Mindens vor lauter Werbung nicht erkennen.

Unterzeichnet

Carolus Magnus – Karl der Große am Tage des Herrn den 22. Maerz des Jahres 2016

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