Kaiser Karl und die Hoffnung


KW11kaiserkarl und die hoffnung Unser altes Schlachtross brauchte bei dem schönen Wetter der vergangenen Tage dringend einmal wieder einen längeren Ausritt. Warum nicht mal die Innenstadt verlassen und uns auf den Weg über die ehemaligen Stadtmauern hinaus machen, sagten wir uns. Also, aufgesattelt und die frische Luft genossen.

Der Abendsonne ritten wir entgegen als wir seltsame Zeichen an der Wand eines Hauses entdeckten, das im Westen unserer Stadt Minden gelegen ist. Dort lachte uns ein großes gelbes Gesicht an, das von vier großen Buchstaben umgeben ist: H-O-P-E.

Was das wohl bedeuten möge, fragten wir unseren treuen Schreiber Jean Jacques, der auch prompt eine Antwort wusste. Die Buchstaben bedeuteten „Hope“. Die Angelsachsen hätten wohl dafür gesorgt, dass dieses Wort bis in unser Minden getragen wurde. Und es laute übersetzt „Hoffnung“.

Doch warum, fragten wir uns und unsere uns begleitenden Mannen, schreibt man in unserem Minden dieses Wort an eine Wand. Achselzucken bei allen Begleitern als wir uns umsahen. Jean Jacques aber zog munteren Mutes gleich los, um Bürger zu fragen, die gerade des Weges kamen.

Die schüttelten den Kopf darüber, dass wir nicht wüssten, welch großes Engagement sich hinter diesem Wort verberge. Wir hätten doch gerade eine Art Völkerwanderung, interpretierte unser Schreiber die Schilderungen unserer Untertanen. Viele Menschen würden vor Krieg und Elend aus anderen Ländern fliehen und kämen nach Deutschland. Auch in unser Minden, wo sie oft mit nichts anderem als ihrem eigenen Leib und Leben ankämen.

Und hier in unserem Minden gäben viele Frauen, Männer, gar auch Jugendliche diesen Menschen Hoffnung, in dem sie sich in ihrer Freizeit um die Geflüchteten kümmerten. Sie versorgten die Familien und Einzelreisenden mit Kleidung. Sie schenkten den Kindern Spielzeug. Sie unterrichteten die Menschen in unserer Sprache. Sie schenkten ihnen ein Lächeln, das doch in so schwierigen Zeiten so wichtig sei. Und außerdem sollten wir uns einmal ein Beispiel daran nehmen und überlegen, was Krieg für ein Elend über die Menschen brächte, richtete sich einer der Bürger direkt an uns.

Wir waren peinlich berührt über die Worte und dachten zurück an die Zeit als wir mit unserem Schlachtross in den Krieg gezogen sind. Und wir mussten einräumen, dass der Untertan recht hatte mit seinen Worten.

Nachdenklich ritten wir zurück in unsere Herberge, wo wir noch lange mit unserem Schreiber darüber redeten, wie lobenswert es ist, dass sich Menschen, denen es gut geht, für Menschen, die Not und Elend erlitten, kümmerten. Und beide waren wir höchst erfreut darüber, dass es in unserem Minden besonders viele dieser Menschen gibt, was wieder einmal ein Sternchen in unseren Reisetagbucheinträgen verdient hat.

Unterzeichnet

Carolus Magnus – Karl der Große am Tage des Herrn den 15. Maerz des Jahres 2016

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