Wir trauen uns nach Osten

KW7karl glacisbrueckeWir haben es getan! Wir haben uns getraut, den Fluss Weser in Richtung Osten zu überschreiten. Wir haben dabei jene Flussquerung genutzt, die die Bürgerinnen und Bürger Glacisbrücke nennen.

Wir mussten allerdings auf halber Strecke mitten über dem reißenden Fluss von unserem Schimmel absteigen, weil dem Pferd hundsübel war wegen der schwankenden Brücke. Und auch uns drehte sich fast der Magen um, sind wir doch so feingliedrige Bauwerke über strömende Gewässer nicht gewohnt.

Es mag aber auch an der Aufregung gelegen haben, was uns auf der anderen Seite des Flusses Weser erwarten möge. Wie schon vergangene Woche von unserem schreibenden Begleiter erwähnt, wussten wir nach unseren damaligen Erfahrungen mit den Sachsen schließlich nicht, welch wilde Horden uns auf der Uferseite, die die Mindener Rechtes Weserufer nennen, erwarten.

Und wir waren ganz überrascht, welch nette Untertanen dort hausen. Sehr irritiert hat uns zunächst, dass viele dieser Menschen in einer Art fahrendem Haus wohnen. Durch eine Luke warfen wir heimlich einen neugierigen Blick in jene Wohnungen, in denen alles vorhanden zu sein scheint. Ein Bett, eine Kochstelle. Sogar ein Raum, von dem von oben das Wasser strömt, so wie wir es in unserer Herberge mitten in der Stadt auch vorfinden.

Nachdem wir nun den Fluss sicher überquert hatten, trauten wir uns sogar, Bewohner solch fahrender Häuser anzusprechen. Und die waren ganz begeistert.
Wir dachten zunächst, die Begeisterung würde uns entgegenschlagen, weil wir nun wieder einmal in Minda – ach, ja, wir wissen: Minden – waren. Aber nein, die Menschen waren begeistert über unser Minden. Kurzurlaub nennen sie das, wenn sie mit ihren beweglichen Heimstätten auf die Weide des Kanzlers (welcher Kanzler?) fahren.

Und hier würden sie die Zeit genießen, an der Weser zu stehen, durch das Grün zu wandeln, das sich rund um die Stadt zieht, und die Wirtshäuser und Händler der Stadt zu besuchen, sprudelten die Worte aus dem Munde einer Untertanin. Ihr wohl angetrauter Mann bestätigte das kopfnickend. So wie bei uns in unserer Pfalz, wo unsere Angetrauten auch immer die Worte sprudeln ließen wie das Wasser aus unseren heißen Quellen in Aachen und wir nur mit dem Kopf nickten.

Wir waren erstaunt über so viel Begeisterung. Da scheint unser Minden doch tatsächlich den richtigen Weg gefunden zu haben, Menschen aus unserem ganzen Reich an den Fluss Weser zu ziehen.

Wir werden unseren Schreiber bitten, darüber einen besonderen Vermerk in unserem Reisetagebuch zu machen. Mit einem Sternchen dran – für die gute Führung der Menschen in Minda. Entschuldigung, Minden.

Unterzeichnet

Carolus Magnus – Karl der Große am Tage des Herrn den 16. Februar des Jahres 2016


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