Aua, wir sind angekommen


KW5karl der grosse smileAua. Unser kaiserlicher Allerwertester hat in den vergangenen vier Tagen sehr gelitten. Diese Tagesritte machen uns doch mehr zu schaffen, als wir wahrhaben wollen. Selbst unsere kleine Ruhepause, die wir uns zwei Tage nach unserem Aufbruch in Aachen in unserer Pfalz in Paderborn gegönnt haben, hat unser Gesäß nicht wirklich entspannt.

Dafür war der Blick des Erzbischofs ein Hochgenuss, als er uns auf unsere Pfalz zureiten sah. Er wurde ganz bleich im Gesicht, redete von Wiederauferstehung. Keine Ahnung, wen er gemeint haben mag.
Und nun sind wir also hier in unserem Minda. Das letzte Mal als wir diesen Namen lasen, war beim Durchblättern unserer Reichsannalen. Das muss so etwa über 1200 Jahre her sein.

Ach, und dann wären wir fast an Minda vorbeigeritten. Hätte uns nicht unser Geograph darauf aufmerksam gemacht, dass Minda jetzt Minden genannt wird. Ein merk-würdiger Städtename. Aber er wird schon seinen Sinn haben.
Jetzt sitzen wir auf unserem Schimmel, sehen uns verwundert um. Wir hatten unser Minda – oder Minden – ganz anders in Erinnerung. Hat sich doch einiges getan. Wegen meines steifen Nackens können wir beim Hinaufblicken kaum die Spitze des Domes sehen. Der war beim letzten Mal, als wir hier waren, nur halb so hoch.

Und gegenüber blicken wir auf eine Art Festungsanlage. Geschickt gebaut unter kriegstechnischen Aspekten. Die Streitkräfte verschanzen sich hinter schmalen Fenstern. Bei uns in Aachen hätten wir aus einer solchen Verteidigungsanlage schon längst ein Denkmal gemacht. Hier aber, sagt uns einer unserer Berater, würden aus der Festung heraus die Bürger und ihre Frauen und Kinder von einem Meister und seinem Gefolge regiert. Dezentrales Regieren nenne man so etwas, sagt unser Berater. Dieser ganze neue Kram. Da loben wir unsere kaiserliche Herrschaft.

Aber wir müssen eingestehen, dass Minden eine ganz ansehnliche Stadt geworden zu sein scheint, wenn man sich hier solche Gebäude leisten kann. Und dann diese Wege. Dort, wo früher Fleischhauer und andere Untertanen ihr Werk vollbrachten und alles lehmig, schmierig und stinkend war, sind heute edle Steine verlegt. Ähnlich denen, die wir in unseren Pfalzen und im Aachener Dom verbaut haben. Im wahrsten Sinne des Wortes sei das hier ein teures Pflaster, notiert unser Schreiber in unserem Reisetagebuch. Der hat wohl noch die Baupreise im Sinn als wir unsere Pfalzen fertiggestellt haben.

Ein Bürger, in einen edlen Wollmantel gehüllt, der mindestens so wertvoll wie unser Purpurmantel ist, hat uns ganz aufgeregt berichtet, die Mindener Bürger hätten die Steine für die Wege in der Stadt aussuchen dürfen. Alle Achtung.
Der Mann muss uns wohl an unserer Krone erkannt haben. Jedenfalls ist er auf uns zugestürzt, hat einem unserer Berater die seltsame Frage gestellt, ob schon Reenactor-Messe auf Kanzlersweide sei. Dann aber wohl gemerkt, dass wir nicht wissen, was er damit meinte. So grüßte er uns dann noch einmal, drückte seine Freude aus, dass wir mal wieder in Minden vorbeischauen würden. Dann wollte er wissen, wie es Widukind gehe.
Etwas verwundert haben wir den Bürger angesehen, der dann betonte, wir hätten doch damals die Burg von Widukind dort am Wiehengebirge übernommen. Die Worte „Disse borch schall nun myn unde dyn seyn“ würden hier doch als Gründungsworte gepflegt. Myn unde dyn – mein und dein (min & din) – Minden!

Aha, damit wäre das mit dem Stadtnamen Minden also auch geklärt. Wir entschuldigten uns bei dem Herrn im Wollmantel, dass wir das nicht wussten, und bedauerten, dass wir nicht sagen könnten, wie es dem Sachsen Widukind gehe. Denn schließlich hätten wir ihn so ungefähr 1200 Jahre nicht mehr gesehen.

Als wir zur Weserfurt reiten wollten, rief uns der Bürger noch hinterher, wir sollten genau hinschauen, wenn wir durch Minden reiten oder schreiten würden. Es gäbe viel zu entdecken und wir würden sicherlich beeindruckt sein.
So sind wir ganz gespannt, weil wir uns ja nun länger hier in unserem alten Minda aufhalten wollen. Aber erst einmal müssen wir einen Medicus finden, der sich um unseren Allerwertesten kümmert. Danach werden wir genau hinschauen. Das ist ein kaiserliches Versprechen!

Unterzeichnet
Carolus Magnus – Karl der Große am Tage des Herrn den 2. Februar des Jahres 2016

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