Das Quartier: Großer und Kleiner Domhof

 cityportal quartiere domhof 03Der Dom zu Minden mit seinem mächtigen Westwerk geht auf das 8. Jahrhundert zurück. Im März 1945 wurde das Kirchengebäude durch Bomben fast völlig zerstört. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Da steht es, das geradezu majestätisch wirkende Gebäude mit seinem imposanten Westwerk: der Mindener Dom, dessen Ursprünge auf das Jahr 800 zurückgehen. Hier haben über Jahrhunderte Menschen Schutz und Geborgenheit gesucht, hier aber haben auch deutsche Kaiser auf ihren Reisen durch das Land von ihrer Loge aus den Gottesdienst mitgefeiert. Und hier hat Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen und Bayern, im Jahr 1168 die erst 13-jährige Mathilda von England geheiratet. Aus heutiger Sicht wohl eher eine geopolitische Hochzeit.

Dass die Trauung mit Mathilda in Minden stattfand, verdeutlicht immerhin die Bedeutung der Stadt als Bischofsresidenz. Inzwischen wird die Wahl des Trauungsortes aber auch anders interpretiert: Heinrich der Löwe hatte sich eine Menge Feinde gemacht. Nicht auszuschließen, dass die die Gelegenheit genutzt hätten, die Trauung zu stören, wenn sie beispielsweise in seinem Heimatort Braunschweig stattgefunden hätte.

cityportal quartiere domhof 01Die Südseite des Mindener Domes zeigt die prächtigen Rosettenfenster. Hier schließt sich der Kreuzhof mit seinem schönen Garten an. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Dennoch wird die „Fürstenhochzeit" immer wieder gerne im Zusammenhang mit dem Mindener Dom erwähnt, obwohl sich das Kirchengebäude gar nicht mit Geschichten aus der Geschichte schmücken müsste. Denn der Besucher, der vom Kleinen Domhof her das Paradies durchschreitet und durch die schweren Bronzetüren mit den wachenden Löwenköpfen tritt, steht plötzlich in einer lichtdurchfluteten, königlichen Halle, die nach dem Willen der Erbauer das himmlische Jerusalem nachempfindet und die als die „reifste Frucht" einer Hallenkirche des 13. Jahrhunderts in Deutschland gilt.

cityportal quartiere domhof 06Der Dombezirk, wie er sich im Mittelalter zeigte, ist in einem Bronzemodell nachempfunden, das am Westwerk des Domes aufgestellt ist. Hier gibt es sehbehinderten Menschen die Möglichkeit, den alten Dombezirk zu erfassen. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Alle Maße des Raumes sind ausgewogen. Das Licht, das durch die Rosetten der Maßwerkfenster fällt, enthüllt die vielen Details, die teilweise auf das Mittelalter zurückgehen, obwohl der Dom im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört, auf seinen Grundfesten aber immer wieder aufgebaut wurde.

Der Altar im Schnittpunkt der Längs- und Querachse des Domes – der Vierung - steht über einem ehemaligen Brunnen, der weit mehr als 1000 Jahre alt ist. Über dem Altar hängt das Mindener Kreuz aus dem Jahr 1070, das als das kostbarste Kunstwerk des Domes gilt. Es ist eine Kopie. Das Original kann in der nahegelegenen Domschatzkammer betrachtet werden. Das Mindener Kreuz gilt wegen der besonderen Darstellung Christus' europaweit als eines der bedeutendsten christlichen Kunstwerke des Mittelalters.

cityportal quartiere domhof 02Die Goldene Tafel ist eine Replik. Das Original dieses Altars, stark verfallen, steht heute im Bode-Museum in Berlin und bestimmt dort den "Minden-Raum". Foto: Hans-Jürgen Amtage

Hinter dem Altar ist seit 2002 die Replik der sogenannten "Goldenen Tafel" zu sehen, deren Original im Bode-Museum Berlin steht. Fast 450 Jahre bildete dieser Altar den Chorabschluss im Mindener Dom. Verschiedene Fresken und am Ausgang zum Kreuzgang der Apostelfries sind nur einige der vielen Kunstwerke, die den Betrachter in dem Gotteshaus in den Bann ziehen.

cityportal quartiere domhof 04In Schutt und Asche. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges zerstören Bomben der Alliierten weite Teile der Innenstadt, darunter der Dom. Foto: Kommunalarchiv Minden

Im Jahr 2012 erhielt der Mindener Dom seinen Vierungsturm wieder - nach 67 Jahren. Denn im März 1945 – kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs - wurde der Dom, wie weite Teile der Innenstadt, bei einem Bombenangriff fast völlig zerstört. Erst im Jahr 1957 konnte das Gotteshaus wieder geweiht werden.

Bestimmt der Dom auch das gesamte Quartier, so sind die umstehenden Gebäude nicht weniger betrachtenswert. Beispielsweise der alte bischöfliche Hof am Übergang vom Kleinen Domhof zum Großen Domhof, in dem heute teile der Stadtverwaltung residieren.

cityportal quartiere domhof 07Der kleine Domhof mit dem neuen Rathaus, nach seinem Erbauer auch Deilmann-Bau genannt, und dem alten bischöflichen Sitz, der heute ebenfalls von der Stadtverwaltung genutzt wird. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Denn Minden war über viele Jahrhunderte ein römisch-katholisches Bistum, das um 800 ausgerufen wurde. In der Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts näherte es sich der protestantischen Lehre an und wurde 1648 aufgehoben. Als weltliches Herrschaftsgebiet der Mindener Bischöfe bestand daneben das Hochstift Minden, das 1648 mit dem Ende des Bistums säkularisiert wurde und als Fürstentum Minden an Brandenburg-Preußen fiel.

1669 zogen preußische Beamte in den Bischofssitz ein und kümmerten sich von dort aus um die Belange des Fürstentums Minden. 1842 wurde das Gebäude allerdings durch einen Brand stark beschädigt. Landläufig wird der Komplex heute auch als „Alte Regierung" bezeichnet.

Ein paar Schritte weiter steht vor der Alten Regierung eine Siegessäule zur Feier der preußischen Siege im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 und dem Deutsch-Deutschen Krieg von 1866 und zum Gedenken an die Gefallenen aus dem Regierungsbezirk Minden. Das Denkmal wird gekrönt durch einen preußischen Adler aus Bronze. Am Säulenfuß sind Bronzeplatten mit den Gefallenen der Kriege angebracht. Seitlich der Säule sind Kanonenrohre aufgestellt. Das Denkmal wurde 1868 eingeweiht und 1997 und 2014 restauriert.

cityportal quartiere domhof 05Die Siegessäule zur Feier der preußischen Siege im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 und dem Deutsch-Deutschen Krieg von 1866 und zum Gedenken an die Gefallenen aus dem Regierungsbezirk Minden steht am Großen Domhof. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Gleich am Parkplatz Großer Domhof steht die Hauptpost. Das unter Denkmalschutz stehende große Gebäude wird heute weitgehend als Wohnhaus genutzt, nachdem die Post sich im Laufe der Jahrzehnte an diesem Standort immer mehr verkleinerte.

Und jetzt erholen Sie sich am besten erst einmal ein wenig in einem der Cafés, die Sie hier ganz in der Nähe auf dem Kleinen Domhof, am Markt oder in der Bäckerstraße finden.

cityportal quartiere domhof 08Der Kleine Domhof lädt mit seinen Cafés und Bistros zum Verweilen ein. Im Sommer sprudelt das Wasser im Springbrunnen, der vor allem Kinder begeistert. Foto: Hans-Jürgen Amtage

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